Oriens-Occidens verbindet Christen
verschiedener Kirchen aus Ost und West
Sommerseminar 2023
Klöster und Kirchen in Oberschwaben
vorbereitet, unterstützt und geleitet von den emsigen Adjutanten des Orients und des Occidens
Maria und Joachim Sailer und Andreas Gressierer
zum großen Gefallen und mit geistlicher Begleitung
durch Archimandrit Dr. Andreas Abraham Thiermeyer und Debora Bode
Diese Exkursion, also der Ausritt ins Schwabenland, ist und war eine rundum barocke Veranstaltung zur Erkundung
barocker Landschaften und barocker Lebenswelten. In diesem Sinne ist es von zentraler Bedeutung, Stil und damit
verzierende Schnörkel als die einzige dem Reisebericht angemessene Form zu wählen. So wollen wir beginnen!
28. August 2023 [Geburtstag Goethes und Todestag/Geburtstag des hl. Augustinus]
Tag
der
An-
und
Einfahrt
des
visuell
und
spirituell
ausgehungerten
Hofstaates,
einer
Abteilung
der
„Ori-ens
Occidens-Schar“,
mit
mittlerweile
von
selbst
sich
bewegenden
rollenden
Kutschen
zur
Begutach-tung
der
prächtigen
Basilika
der
Abtei
Ottobeuren
mit
vorausgehender
Kräftigung
und
Stärkung
der
ausgemergelten
Leiber des von Wissbegier getriebenen Gefolges samt Archimandriten.
16:00
Uhr:
Erscheinen
eines
in
die
Basilika
minor
einschwebenden
Geistes
in
Gestalt
des
Paters
Ru-pert,
des
Genius
Loci.
Wie
sich
an
bestimmten
Orten
und
manchmal
auch
in
bestimmten
Personen
Schnittpunkte
ergeben
zwischen
Gegenwart
und
Vergangenheit,
so
verkörpert
dieser
führende
Geist
bereits
mit
seiner
Vita
den
herausragenden
Führer
durch
die
überwältigende
Größe
des
Gotteshauses.
Studiert
habend
im
barocken
Eichstätt,
Zwischenstation
genommen
im
Südtiroler
Marienberg,
dem
Tochterkloster
Ottobeurens,
und
nun
am
Schnittpunkt
zwischen
Nord
und
Süd
sitzend,
in
Ottobeuren,
eröffnete
Pater
Rupert
als
Kenner
der
Kunstgeschichte
sowie
der
Religionspädagogik
und
der
Theologie
den
Reigen
der
Zusammenhänge,
so
dass
das
barocke
Theater
mimisch
und
gestisch
und
vor
allem
durch
wohl
gesetzte
Worte
auferstand.
Die
hier
in
Stuck
und
Farbe
und
Architektur
lebendig
werdende
Theologie
-
in
der
Symbolik
und
Ideengeschichte
sowie
in den Artefakten - zeugen von den Spuren, welche den Heiligen Geist, der hier offensichtlich schwebt, sichtbar werden lassen.
Die
heutige
Pracht
geht
zurück
auf
die
Initiative
eines
Abts,
der
wohl
nicht
zufällig
den
Namen
unseres
Führers
trägt,
nämlich
Rupert
II.
Ness.
Nach
einer
Tabula
rasa,
welche
einen
Neuanfang
im
Visier
hatte,
ließ
dieser
Abt
den
Grundstein
legen
für
eine
völlige
Neuausrichtung
der
Kirche,
welche
den
Zeichen
der
Zeit
angemessen
erschien.
Anfang
des
18.
Jahrhunderts
konnte
so
die
neue
Reichsabtei
aufgebaut
werden.
Unter
den
Architekten,
Malern
und
Stuckateuren
finden
sich
u.a. die berühmten Namen Domini-kus Zimmermann ebenso wie Johann Michael Fischer oder Meister aus Wessobrunn.
Mit
demütigem
Stolz
beginnt
Pater
Rupert
seine
Führung
der
Kirche,
welche
dem
Heiligen
Theodor
und
dem
Märtyrer
Alexander
geweiht
ist,
am
Eingangsportal,
um
die
geistige
Gesamtidee
auch
spürbar
wer-den
zu
lassen.
Die
dunkle
Eingangshalle
entlässt
jeden
Eintretenden
in
ein
überwältigendes
Licht,
von
der
Thematik
der
Erbsünde
führt
alles
auf
das
zentrale
Kreuz
im
Mittelpunkt
zu
und
eröffnet
der
Seele
die
Hoffnung
auf
das
alles
überstrahlende
göttliche
Licht.
Ebenso
führt
dann
der
Raum
über
Darstellun-gen
des
Alten
Testaments
hinein
in
das
zentrale
Geschehen
von
Tod
und
Auferstehung,
das
in
der
ge-stalteten
Offenbarung
des
Hochaltars
sein
Ziel
findet.
Hier
erscheint
die
Gottheit
mit
dem
hebräischen
Tetragramm,
die
sich
als
ein
Gott
in
drei
Personen
zu
erkennen
gibt
und
die,
symbolisch
auf
seiner
lin-ken Seite, den Sohn hinabsteigen lässt, um die Erlösung zu ermöglichen.
Die
als
Orchestersaal
berühmt
gewordene
Basilika,
in
der
viele
klassische
Werke
aufgeführt
wurden
und
werden,
lässt
zum
Lobe
Gottes
ebenso
berühmte
Orgeln
erklingen,
so
die
Dreifaltigkeits-
und
die
Heilig-Geist-Orgel.
Sie
wurden
bald
nach
der
Fertigstellung
der
barocken
Kirche
durch
den
aus
Ottobeuren
stammenden
und
in
Dijon
bereits
Erfolge
gefeiert
habenden
Karl
Joseph
Riepp
erbaut.
Im
20.
Jahrhun-dert
wurden
sie
durch
die
Orgelbaufirma
Steinmeyer
aus
Oettingen
wunderbar restauriert. Auch die Oh-ren werden neben den Augen erfreut.
Und
wieder
führen
hier
die
Linien
zueinander
und
kreuzen
sich.
Sichtbar
wird
es
vor
allem
an
einer
Ge-genüberstellung
von
Altem
und
Neuem
Testament,
jedoch
auch
in
den
Parallelen
der
Vita
des
heiligen
Benedikt.
All
dies
kunstvoll
und
theologisch
fundiert
nach
dem
Prinzip
der
typologischen
Gegenüberstel-lung
und
gegenseitigen
Verweisung.
So
wie
Abraham
berufen
wird,
so
auch
Benedikt,
so
wie
Jesaja
weissagt,
so
ebenso
Benedikt.
Und
wenn
Elia
ins
Paradies
einfährt,
so
wird
Benedikt
auch
im
Tod
ver-herrlicht.
Dieses
Verweissystem
findet
seinen
Höhepunkt
im
Altarraum,
wenn
die
Figuren
des
Chorge-stühls
zum
einen
die
unerlöste
Menschheit
widerspiegeln,
dann
aber
auch
die
Hoffnung,
indem
eine
einzige
Figur
den
Blick
nach
oben
wendet
und
hier
Gott
höchstpersönlich
ihm,
dem
Einzelnen,
Antwort
gibt.
Überhaupt
sind
diese
Verweissysteme
wie
in
einem
Orchester
gestaltet,
indem
jedes
Bild,
jede
Figur
wie
auch
jede
Farbgebung
wiederum
aufgefangen
wird
von
einem
Gegenüber,
so
dass
Bibel
und
Welt,
göttliche
und
menschliche
Sphären
so
aufeinander
verweisen,
dass
man
das
barocke
Theater
nicht
als
ein
reines
Theater
erkennt,
sondern
als
einen
den
Menschen
Sinn
und
Orientierung
gebenden
Tanz.
Man
steht
in
der
Kirche
im
Schnittpunkt
von
Himmel
und
Erde
und
weiß
das
Irdische
im
Blick
auf
das
Himmlische
zu
sehen
und
zu
deuten.
Aus
der
Fülle
dieser
unglaublichen
Zahl
von
Verweisen
greift
Pater
Rupert
immer
wieder
zentrale
Aspekte
heraus,
indem
er
in
die
Fußstapfen
der
Baumeister
dieser
Basilika
tritt;
er
unterfängt
und
unterstützt
mit
wohlgesetzten
Worten,
er
untermauert
und
zieht
Querstre-ben
ein.
Sein
Vorbild
ist
sicherlich
Abraham
a
Sancta
Clara,
der
geniale
Barockprediger,
der
auch
seine
Predigten
mit
Ornamenten
und
thematischen
Bildern
geschmückt
und
diese
teilweise
stark
gepfeffert
hat,
eben
Witz
und
Geist
sprudeln
ließ.
Die
Vorführung
der
hölzernen
Spuknäpfe
im
Chorgestühl
ist
ebenso
eine Erwähnung wert wie die Erläuterung Augustinischer Philosophie und Theologie anhand ei-nes prächtigen Altargemäldes.
Im
Zentrum
der
Kirche
steht
natürlich
das
1714
wiederentdeckte
Kreuz,
nicht
nur
symbolisch,
sondern
auch
theologisch
und
kunstgeschichtlich
der
Mittelpunkt
der
Basilika
und
das
Zentrum
der
gesamten
Anlage,
die
ein
wahrhaft
gigantisches
Ausmaß
hat,
da
sie
als
Reichsabtei
zuständig
war
für
Verwaltung
und
Regierung
eines
beachtlichen
Areals.
Das
Kreuz
dominiert
die
Anlage
und
auch
die
Basilika.
Der
Blick
richtet
sich
unmittelbar
auf
das
Zentrum
des
Heilsgeschehens
und
weitet
den
Blick
darüber
hinaus
in
den
Himmel.
Und
selbst
das
Pflaster
des
Bodens
im
Altarraum
ist
hier
nicht
dem
Zufall
überlassen
oder
reine
Ästhetik,
sondern
spiegelt
den
Heilswillen Gottes wider. Im Chaos der Erde erstrahlt der acht-zackige Messias-Stern, der die Hoffnung aufleben lässt.
Aber
auch
ein
kurzer
Abstecher
hinter
eine
Säule
und
auch
in
den
Vorraum
eines
Seitenschiffs
zeigt
noch
einmal
die
Raffinesse
des
Bauwerks
und
auch
die
Tatsache,
dass alle Details, jede geschnitzte Altarschranke und jedes Tuch, der Verkündigung dienen.
So
verlassen
die
bereits
staunend
Eingetretenen,
die
noch
lange
verweilen,
dieses
Blitzgewitter
zwar
nicht
erschlagen,
aber
umschwebt
von
der
Wolke
der
Sinne,
um
zum
Abschluss
und
am
Abend
den
Kosmos
auch
geistig-spirituell
aufleben
zu
hören
in
den
Lobpreisungen
der
Psalmen-Gesänge
der
Mön-che.
Die
Vesper
beendete
die Führung.
Und es ward Abend und es ward Morgen: 29. August
Der
Tag
begrüßte
die
Gemeinschaft
der
begeisterten
Sängerinnen
und
Sänger
in
der
zur
Verfügung
ge-stellten
Gästekapelle
der
Abtei.
In
den
Troparien
und
Kondakien
wurden neben Johannes dem Täufer ebenso der Abtei-Heiligen Alexander und Theodor gedacht.
Gestärkt
mit
einem
opulenten
Frühstück,
bewegten
sich
die
Kutschen
zum
nächsten
Höhepunkt
der
Führung
durch
das
Münster
St.
Peter
und
Paul
in
Obermarchtal.
Der
wohl
kundigste
Führer
durch
die
Kirche
erwartete
sie
bereits
im
Eingangsportal
zum
ehemaligen
Kloster.
Der
ehemalige
Leiter
der
hier
ansässigen
akademischen
Ausbildungsstätte
für
Lehrer
und
Lehrerinnen
der
Diözese
Rottenburg
machte
seinem
ehemaligen
Beruf
alle
Ehre,
indem
er
anschaulich
und
umfassend
alles
auf
den
Punkt brachte.
Der
frische
und
etwas
leisere
Barock,
der
die
Kirche
ziert,
ist
den
Benediktinern
und
auch
den
Prä-monstratensern
zu
verdanken,
während
das
Eingangsgitter
sich
wieder
an
den
Klassizismus
anlehnt.
Trotzig
steht
die
Kirche
als
Zeichen
der
katholischen
Gegenreformation
da,
denn
hier
war
eine
der
Gren-zen,
an
denen
sich
die
evangelische
und
die
katholische
Konfession
klar
und
in
Kampfmontur
gegen-überstanden.
Von
dieser
trutzigen
Art
zeugt
auch
die
Tatsache,
dass
die
Kirche
mehrmals
verschwun-den
war
und
wieder
aufgebaut
wurde.
Sie
lag
unter
anderem
auch
auf
dem
Reiseplan
der
Marie
Antoinet-te,
als
sie
–
ebenfalls
in
einer
rollenden
Kutsche
-
in
Richtung
Frankreich
unterwegs
war,
um
ihrem
Schicksal
entgegenzufahren.
Sie
war
somit
eine
würdige
Vorläuferin
der
Besuchsgruppe
aus
Ost-Bayern,
welche
die
Grenze nach Frankreich aber tunlichst vermied.
Die
harte
Grenze
der
Konfessionen,
welche
an
der
Donau
erkennbar
war,
trennte
nicht
nur
die
Lutheri-schen
von
den
Katholischen,
auch
die
geteilte
Orgel
spiegelt
die
zwei
Dynastien
der
Benediktiner
und
der
Prämonstratenser
wider.
Der
Kampf
ist
auch
das
vorherrschende
Thema
in
der
Kirche.
90
Jahre
dauerte
der
Bau
und
das
merkt
man
auch
an
den
unterschiedlichen
Stilen
im
Inneren.
Der
heilige
Tiberi-us
ist
der
kämpferische
und
der
Wallfahrt
den
Namen
gebende
Märtyrer
aus
der
Römerzeit.
Sein
Haupt
kam
im
17.
Jahrhundert
in
die
Barockkirche.
Ebenso
ist
der
heilige
Norbert
in
der
Kirche
als
ein
unbe-quemer
und
asketischer
Reformer
präsent.
All
das
spiegelt
auch
der
Marthaler
Plan
wider,
der
als
päda-gogisches
Konzept
hier
entwickelt
und
in
kirchlichen
Einrichtungen
und
Schulen
vielfach
aufgegriffen wurde, nun jedoch friedlich und Kinder wie Jugendliche an die Hand nehmend.
Einfühlsam
und
kenntnisreich,
wie
es
sich
für
einen
ehemaligen
Pädagogen
gebührt,
erklärte
unser
Füh-rer
auch
die
an
die
Kirche
anschließenden
Gebäude,
die
zum
Teil
als
Lehrerbildungsstätte
und
als
Aka-demie
genutzt
werden
und
in
der
Zwischenzeit
-
nach
der
Säkularisation
-
vom
Fürstengeschlecht
der
Thurn
und
Taxis
als
Jagdschloss
gebraucht
wurden.
Auch
im
Saal
des
ehemaligen
Refektoriums,
einem
Spiegelsaal,
wird
wieder
der
symbolische
Kosmos
der
Welt
sichtbar,
den
die
Erbauer
mit
der
symboli-schen
Welt-Zahl
der
Vier
als
Gesamtprogramm
darzustellen
wussten.
Die
vier
Jahreszeiten
korrespon-dieren
mit
den
vier
Elementen
und
diese
wiederum
mit
den
vier
Tugenden,
der
Besonnenheit,
der
Weis-heit,
der
Tapferkeit
und
Gerechtigkeit.
Dies
dürfte
zum
Herrschaftsprogramm
eines
Fürsten
ebenso
gut
passen
wie
zum
Programm
einer
Lehrerausbildungsstätte.
Mit
diesen
Tugenden
im
Gepäck
konnte
sich
das
fahrende
Volk
der
Wissbegierigen
nun
in
dem
nahegelegenen Gasthaus an schwäbischen Delika-tessen erfreuen.
Und
darauf
stand
nach
zehn
Minuten
Fahrzeit
schon
wieder
eine
Steigerung
an.
Die
Gruppe
tauchte
unmittelbar
vom
Bad
des
Barock
in
das
Tiefseebecken
des
Rokoko.
Wer
Zwiefalten
besucht,
braucht
einen
Kirchenführer,
einen
lebendigen.
Denn
der
papierene
ist
ausverkauft
bzw.
vergriffen;
das
ist
nicht
verwunderlich.
Die
Kirche
zu
„Unserer
Lieben
Frau“
konnte
in
ihrer
nicht
steigerbaren
Fülle
nur
von
einem
abgrundtief
nüchternen
Betriebswirt
erläutert
werden.
Dieser
erwies
sich
als
Meister
der
schnellen
Zunge.
Wie
sich
das
Rokoko
überschlägt
und
Purzelbäume
vollzieht,
so
überschlugen
sich
die
Fakten,
die
dem
eloquenten
Mund
des
nur
äußerlich
scheinbar
nüchternen
Menschen
entströmten.
Es
folgt
nun
ein
erbärmlicher
Versuch,
dieses
Stakkato
hörbar
zu
machen.
Denn
die
Kirche
selbst
ist
nicht
be-
schreibbar,
man
kann
sie
nur
mit
den
Augen
und
Ohren
erleben,
oder
eben
in
der
Wolke
aus
Worten,
welche
die
Augen
in
einem
Zickzack
durch
die
Kirche
führen.
Das
Symbol
dieser
Kirche
ist
der
Pfeil,
der
von
einer
Ecke
in
die
andere
abgeschossen
wird,
um
gleich
wieder
zurückgeschossen
zu
werden
und
weiterzuführen
in
eine
nächste
Ecke,
welche
wieder
auf
eine
andere
Figur
verweist,
die
schon
wieder
einen
Verweis
gibt
auf
eine
andere
Gruppe,
die
mit
den
Fingern
wieder
auf
andere
zeigt.
Unglaublich!
Ein
Auszug:
„Das
Bild
der
Bekehrung
des
Frankenkönigs
Chlodwig
-
seine
Gattin,
die
ihn
zur
Umkehr
auffordert
-
die
Engel
der
Apokalypse
-
thematische
Darstellung
von
Lasterhaftem
mit
Schmetterlings-flügeln
–
der
heilige
Ambrosius
-
der
bayerische
Kurfürst
-
Engel
suchen
nach
einem
Versteck
unter
dem
Himmelsmantel
-
die
Eingeweide
des
Erasmus
-
Verweis
auf
den
Arianismus
-
diverse
Wessobrunner
Stuckateure
-
der
Arm
des
Königs
Stephan
-
Glaube
Liebe
und
Hoffnung
vor
der
Kanzel
-
Besuch
des
Tals
von
Citeaux
–
die
Kanzel
der
Ezechiel-Gruppe
–
der
Baum
der
Erkenntnis
mit
Früchten
und
Schlange
als
Kanzelfuß
-
Skulpturen
des
Moses
und
Johannes
des
Täufers
-
Kreuzbaum
mit
dem
Ge-kreuzigten
-
Totengebein
mit
Skeletten
und
Knochen,
die
mit
Muskeln,
Sehnen
und
Haut
überzogen
sind
-
der
Geist
Gottes
-
vier
vergoldete
Putten
als
Personifikationen
der
vier
Winde
–
Babylon
und
Jerusa-lem
-
Verehrung
Mariens
-
Flammenzungen
-
Bernhard
von
Clairvaux
- Meinrad mit den zwei Raben - Engel Gabriel – das Lamm Gottes – der Petrusschlüssel…“
Es gibt kein Ereignis, keinen Heiligen, keine Allegorie, den diese Kirche nicht direkt oder indirekt er-wähnt oder gar zur Erscheinung bringt. Anschauen und Staunen!
Er
hat
es
letztlich
geschafft,
der
Betriebswirt
mit
der
leichten
Rokokozunge,
er
hat
in
einer
Stunde
den
gesamten
Kosmos
zum
Leuchten
gebracht.
Vielleicht
sollte
man
ihn
für
drei
bis
vier
Stunden
buchen,
dann
leuchten
die
Schnittpunkte
zwischen
Kloster
und
AT
und
NT
und
Himmel
und
Erde
noch
strahlen-der
auf.
Mit
Hilfe
einer
punktierenden Taschenlampe konnten das Auge und das Gehör folgen. Der Stift des hier Notierenden jedoch nur stellenweise.
Rokoko
erscheint
hier
als
das,
was
es
ist,
ein
Spiel.
Ist
der
Barock
das
Theater
der
Welt,
dann
das
Ro-koko
die
göttlich-menschliche
Komödie
der
Geistesblitze.
Alles
fügt
sich:
Theologie
und
Geschichte
und
Dogmatik
und
Architektur
und
Statik
und
Farben-Design
und
Symbolverweis
und
-
und...
Herrlich!
Die
Engel
decken
es
auf:
Im
Nachhinein erweist sich das einzelne und das singuläre Ereignis als letztlich logisch und sinnvoll und im Licht der göttlichen Vorsehung erhält es seine Bedeutung.
Auf
Zwiefalten
musste
Wiblingen
folgen.
Denn
nach
der
Fülle
braucht
es
Ruhe
und
eine
innere
Ein-kehrmöglichkeit.
Hier
war
die
Führerin
durch
das
Münster
St.
Martin
durch
die
langsame
und
betonte
Art
sowie
mit
Hilfe
vieler
Pausen
in
ihrem
Vortrag
ein
Kontrast,
der
sich
als
wunderbare
Ergänzung
des
zuvor
Erlebten
herausstellte.
Dahinter
konnte
nur
die
geniale
Planung
der
drei
fleißigen
Vorbereiter
ste-cken.
Denn
der
klassizistische
Baustil
ließ
bereits
ein
Motto
der
Goethezeit
mit
dem
Sinnspruch
der
edlen
Einfalt
und
stillen
Größe
spürbar
werden.
Diese
erholsame
Schlichtheit
im
Bau
und
in
der
Ausstat-tung
der
Kirche
gingen
Hand
in
Hand
mit
dem
Vortragsstil
von
Frau
Pfaff.
Die
Möglichkeiten
zugunsten
einer
liturgischen
Entfaltung,
die
der
Raum
bietet,
wurden
sehr
begrüßt,
vor
allem
durch
Archimandrit
Dr.
Thiermeyer. Wenige Bilder, wenige Figuren, übergroß.
Holzpartikel,
die
von
der
Kaisermutter
Helena
aufgefunden
wurden,
stammen
vom
Kreuz
Christi
und
werden
wie
an
vielen
anderen
Orten
in
der
Klosterkirche
in
Wiblingen
in
einem
Schrein
aufbewahrt
und
verehrt.
Die
Rückführung
des
von
den
Persern
geraubten
Kreuzes
zeigt
auch
ein
Gemälde
der
Kirche.
Das
spiegelt
sich
auch in der Symbolik des Doppelkreuzes von Wiblingen wider.
Wieder
etwas
opulenter
und
überaus
beeindruckend
war
dann
in
der
Folge
der
Bibliothekssaal
mit
sei-nen
vielen
Holzfiguren
und
Deckengemälden,
welche
antike
Gelehrsamkeit
ebenso
offenbart
wie
die
Missionstätigkeit.
Während
die
Figuren
vier
christliche
und
vier
weltliche
Allegorien
darstellen
sollen,
ist
das
Deckengemälde
mit
religiösen
Szenen
bemalt,
von
Adam
und
Eva
bis
zu
Szenen
des
Klosterle-bens.
Hier
ist
wieder
eine
kurze
Reminiszenz
an
das
Rokoko
zu
erleben,
hier
aber
in
einem relativ über-schaubaren Raum.
Diese Überfülle an Eindrücken musste sortiert werden und sie wurde bei einem Abendessen in Ottobeu-ren verdaut.
Und es ward Nacht und es ward Morgen: 30. August
Wieder durfte der Tag sich an seiner Begrüßung durch die Gemeinschaft der begeisterten Sängerinnen und Sänger in der Gästekapelle erfreuen.
Variatio
delectat.
Dies
mag
das
Motto
in
den
Köpfen
der
genialen
Planerinnen
und
Planer
gewesen
sein,
denn
nach
einer
Überfülle
an
Geistlichem
ist
ein
Ausflug
in
die
Welt
des
Bürgerlichen
und
der
Landwirt-schaft
ein
befreiendes
Kontrastprogramm
für
Körper
und
Seele.
Aber
niemals
fehlt
hier
der
religiöse
Bezug,
ganz
im
Gegenteil.
So
führte
die
erste
Station
an
diesem
Tag
nach
kurzer
Fahrzeit
in
die
freie
Reichsstadt
Memmingen.
Eine
vielschichtige
und
schöne
Stadt,
in
welche
die
Gruppe
von
einer eben-so vielschichtigen Dame eine sehr profunde Einführung erhielt. Dass die Geschichte der Stadt, die in bunten Geschichten erzählt wurde, zugleich Anlass bot
für
viele
Geschichten,
die
dem
Bereich
der
Le-benshilfe
entströmen,
war
eine
wunderbare
Bereicherung,
die
man
mit
nach
Hause
nehmen
und
in
sei-nem
Alltag
umsetzen
konnte.
Nach
diesen
lebenskundlichen
Erläuterungen
war
man
sicher,
dass
man
Lösungen
für
Beziehungs-Probleme
ebenso
hatte
wie
für
Lebenskrisen.
Denn
es
wurde
hier
erklärt,
wie
in
dieser
Stadt
zur
Erlangung
von
Geständnissen
Daumen
gedrückt
wurden
oder
Menschen
auf
die
Ga-leeren
nach
Venedig
geschickt
werden
durften,
wenn
sie
nicht
brav
waren.
Es
zeigte
sich
hier
die
harte
Gerichtsbarkeit
einer
freien
Reichsstadt.
Ein
Beispiel
hierfür
ist
auch
der
Hexenturm,
der
umgewidmet wurde in ein Gefängnis für Vergehen wie Ehebruch, Lästerei, Streit oder Diebstahl. Die Strafen hierfür waren drakonisch.
Auch
Fragen
zur
Entbindung,
zum
Antoniusfeuer
oder
die
Tatsache,
dass
auch
heute
noch
Mutterkorn
zu
Vergiftungen
führen
kann,
und
zwar
im
Müsli,
waren
Themen,
die
einen
aufhorchen
ließen
und
als
Haushaltshilfe
sehr
praktisch
sich
umsetzen
lassen.
Mit
diesen
Tipps
gesättigt
wurde
die
doch
sehr
erheiterte
Gesellschaft
durch
die
protestantisch
geprägte
Stadt
geführt.
Hier
kann
man
auch
erleben,
wie
wiederum
katholische
Enklaven
in
einer
lutherischen
Stadt
sehr
unterschiedlich
und
punktuell
rezipiert
werden.
Memmingen
ist
die
Stadt
der
Freiheitspartei
der
Bauern
in
der
Reformation,
geprägt
von
Protes-tantismus
eines
Zwingli
und
zweigeteilt
in
einen
gotisch
geprägten
Protestantismus
(Wirtschaft
und
So-ziales)
und
der
Seelsorge,
sichtbar
im
barocken
Stucksaal
für
Bettelorden.
Hier
wurde
dann
„Oriens
Occidens“
herausgefordert,
als
man
die
Gruppe
aufforderte,
die
hervorragende
Akustik
des
gotischen
Saals
zu
erproben.
Und
diesmal
war
auch
der
Archimandrit
vom
Ergebnis durchaus zufriedengestellt.
Ein
zweiter
Anlauf
war
dann
der
Besuch
des
Bauernhofmuseums
in
Illerbeuren.
Auch
dorthin
war
die
Fahrt
nur
sehr
kurz.
Diese
war
auch
versehen
mit
einem
opulenten
Mittagessen
in
der
dem
Museum
zugehörigen
eigenen
Wirtschaft.
Das
Leben
der
Allgäuer
Bauern,
die
landwirtschaftlichen
Erzeugnisse
sowie
die
Bräuche
und
Gewohnheiten,
die
eine
gelebte
Religiosität
aufscheinen
lassen,
standen
im
Mit-telpunkt
der
Führung.
Hier
ließ
die
kompetente
Führerin,
eine
würdige
Verwandte
der
Sailer-Familie,
im-mer
wieder
Redewendungen
plastisch
aufleben,
die
in
unserem
täglichen
Wortschatz
noch
vorhanden
sind,
deren
Ursprung
aber
langsam
vergessen
wird.
So
wurden
Redensarten
wie
„sich
nicht
verzetteln“
oder
die
„geschlossene
Gesellschaft“
oder
„der
alte
Knacker“
nebenbei
und
mit
viel
Humor
vorgeführt.
Den
Abschluss
bot
am
späten
Nachmittag
dann
die
letzte
Führung
in
der
Wallfahrtskirche
Maria
Steinbach,
die
nach
wiederum
kurzer
Fahrt
auf
einem
Hügel
zu
erspähen
war.
Liebenswerterweise
übernahm
hier
der
ehemalige
Wallfahrtspfarrer
die
Führung.
Wie
er
erzählte,
löste
ein
wundertätiges
Gnadenbild
der
schmerzhaften
Muttergottes
einen
so
großen
Zustrom
von
Gläubigen
aus,
dass
im
18.
Jahrhundert
ein
Neubau
im
Rokoko-Stil
begonnen
wurde.
Neben
der
Wallfahrt
zur
schmerzhaften
Mut-tergottes
hat
zugleich
die
ursprüngliche
Wallfahrt
zum
Heiligen
Kreuz
–
wiederum
ein
Partikel
des
Heili-gen
Kreuzes
zu
Jerusalem
–
seine
Heimat.
Im
Innenraum
zeigte
er
uns
das
Kreuzreliquiar
und
erörterte
kundig
viele
der
Gemälde
und
Figuren,
die
alle
auf
das
zentrale
Motive
der
Muttergottes
ausgerichtet
sind.
Auch
einzelne
Details
waren
ihm
erwähnenswert,
so
die
beiden
Engel
zu
Füßen
Mariens
im
Mari-enaltar,
die
im
Volksmund
„Trotz-Engele“
und
„Plärr-Engele“
genannt
werden. Die gesamte Anlage zeigt allein durch ihre Größe eine Bedeutung, die bis heute anhält.
Ausklang
und
würdiger
Abschluss
des
Tages
war
letztlich
das
Gedenken
der
lieben
Verstorbenen
in
der
Pannychida,
die
in
der
Gästekapelle
unter
der
Leitung
des
Archimandriten gefeiert wurde.
Und es ward Nacht und es ward Morgen: 31.August, Abreisetag
Wahrlich
passend
zum
vorausgegangenen
Tag
und
zum
Besuch
vieler
mit
Maria
verbundener
Heiligtü-mer
feierte
die
Gemeinschaft
in
einem
Morgenlob
mit
den
Tages-
Troparien und Kondakien das Fest der Niederlegung des Gürtels der Gottesgebärerin.
Wiederum
gestärkt
eilten
vor
der
endgültigen
Heimfahrt
die
Kutschen
noch
einmal
zu
einem
ehemaligen
Kloster,
dem
der
Karthäuser
zu
Buxheim.
Der
Ort,
nahezu
ein
Stadtteil von Memmingen, strahlt eine Ruhe aus, die sicher mit der ehemaligen Karthause in Einklang geht.
Der
Gang
durch
das
Gebäude
wurde,
kundig
und
auch
mit
persönlichen
Erlebnissen
ergänzt,
von
einer
Führerin
geleitet,
die
uns
zum
einen
die
Lebensweise
eines
Karthäuser-Mönchs
anhand
einer
beispiel-haften
Zelle
erläuterte,
zum
anderen
dann
das
vor
wenigen
Jahrzehnten
aus
England
zurückgebrachte
Chorgestühl
eingehend
betrachten
ließ.
Beide
Seiten
waren
sehr
beeindruckend.
Die
abgeschlossene
und
sehr
einfache
Lebensweise,
die
sich
ganz
und
gar
dem
Gebet
und
Gott
widmet,
sodass
der
Kontakt
nach
außen
nur
sehr
selten
gesucht
wird,
wurde
durch
ein
persönliches
Erlebnis
der
Leiterin
angerei-chert,
die
erzählte,
wie
diese
Mönche
in
einem
Gespräch
ein
inneres
Strahlen
zeigen,
das
sicherlich
überwältigend
sein
kann.
Überwältigend
war
ebenso
das
Chorgestühl
mit
den
vielen
Figuren,
die
zum
einen
den
Kampf
gegen
die
unten
lauernden
Dämonen
zeigen,
dann
auf
einer
weiter
oben
liegenden
Ebene
Wegweiser
für
diesen
erfolgreichen
Kampf
sind.
Die
oberste
Reihe
bevölkern
dann
natürlich
die
Heilsgestalten
der
zwölf
Apostel
und
des
Leiters
des
Kampfes,
Erzengel
Michael.
Zurückgekauft
wurde
das
Gestühl,
als
die
damaligen
Besitzer,
die
Schwestern
des
St.
Saviours
Hospital
in
London,
in
eine
andere
Grafschaft
umziehen
mussten.
Erst
nach
jahrelanger
Restauration
konnte
es
dann wieder aufge-baut werden.
Der Dank ist den drei Organisatoren gewiss, die Freude des den von ihnen vorgesteckten Weg fahren-den Volkes ihr Lohn.
Ohne
den
Rahmen
der
geistlich-spirituellen
Gesänge
und
der
inneren
Einkehr
in
der
Gästekapelle
am
Abend
und
am
Morgen
eines
jeden
Tages,
wäre
der
Ausritt
nicht
das
gewesen,
was
man
eine
ganzheit-lich-barocke
Erfahrung
nennen
könnte.
Der
Dank
gebührt
dem
Vor-Arbeiter
und
der
Vor-Arbeiterin
im
jedermann
und
jederfrau
bekannten Weinberg.
Franz Josef Hertle