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Klöster und Kirchen im Frankenland

verbunden mit einer Harzreise 8. bis 12. September 2025
"Klöster und Kirchen im Frankenland" lautete das Motto unserer Exkursion, die Franz Link sorgfältig geplant hatte. Und in der Tat bekamen wir eine großartige Auswahl, die berühmtesten und bekanntesten, zu sehen. - Aber darüber hinaus fanden wir uns auch in verwunschenen Schlössern, in den verwinkelten, mittelalterlichen Gässchen zauberhafter Städtchen, in den legendären, sonnenbestrahlten Weinbergen, in traditionsreichen Lokalen und Weinstuben wieder. Aber alles der Reihe nach: Am Montag, den 8. September, trafen alle zehn Mitreisenden im Kloster Schwarzenberg der Franziskaner-Minoriten in Scheinfeld ein, wo wir für die kommenden Tage unterkamen. Der großzügig ausgebaute Gästetrakt mit dem herrlichen Klostergarten bot beste Bedingungen und noch am selben Abend trafen wir uns zum ersten Gedankenaustausch in einer der bequemen Sitzgruppen im Obstgarten. Zuvor jedoch hatten wir das nahe gelegene Schloss Schwarzenberg in Scheinfeld bei einem abendlichen Spaziergang besichtigt. Um 1200 entstanden hatte die ursprüngliche Burg, später zum Renaissance-Schloss umgebaut, eine wechselvolle Geschichte. Die Reste der mittelalterlichen Burganlage sind an den vier Türmen, an dem an einigen Stellen erkennbaren Burggraben und den wehrhaften Mauern noch deutlich erkennbar. Riesige uralte Bäume säumen die unebenen steinigen Wege. Karl zu Schwarzenberg, ehemaliger Außenminister Tschechiens und Oberhaupt des Adelshauses, bewohnte zeitweise das Schloss und sorgte dafür, dass Renovierungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Heute beherbergt das Schloss eine private Real- und Fachoberschule. Am nächsten Morgen, nach dem morgendlichen Besuch der Heiligen Messe in der Wallfahrtskirche gemeinsam mit den Mönchen und einem darauffolgendem reichhaltigen Frühstück nach "Hotelbuffet-Manier" brachen wir nach Rothenburg auf. Verteilt auf zwei Autos bildeten wir Fahrgemeinschaften, die sich auch während der längeren Fahrstrecken mit Erzählungen und Anekdoten fröhlich die Zeit vertrieben - ausgenommen die beiden Fahrer, Franz und Christine, denen auf den zum Teil kleinen verschlungenen, abgelegenen Landstraßen höchste Konzentration abverlangt wurde. Ein erster Rundgang durch Rothenburg ob der Tauber versetzt den Betrachter in eine vermeintlich versunkene Welt: mittelalterliche Stadtmauern, Torhäuser und Türme, Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäuser wie aus dem Märchenbuch - und schließlich die katholische Pfarrkirche St. Johannes neben dem bekannten Kriminal-Museum. Die dreischiffige Hallenkirche wurde um 1400 erbaut und erfuhr im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Veränderungen und Umbauten. Zwischen 1604 und 1628 wurde die Westempore eingebaut und die Dachgeschosse zum größten städtischen Getreidespeicher ausgebaut. Zwischenzeitlich, nach der Durchführung der Reformation, diente sie als evangelische Kirche; erst 1803 wurde sie wieder der kleinen katholischen Gemeinde überlassen. 1967 entfernte man die barocke dreiteilige Ost-Altarwand und beauftragte den Bildhauer Klaus Backmund (1929-2020) für einen Großteil der Innenausstattung. Die schöne Marienstatue ist das einzige Stück, das aus der Barockzeit übriggeblieben ist. Vorbei an der Minoritenkirche war die heute evangelische gotische Stadtpfarrkirche St. Jakob das nächste Highlight. Bemerkenswert sind zum einen die wertvollen Glasfenster aus dem Jahr 1350 bzw. 1400, zum anderen das berühmte Schnitzwerk (entstanden zwischen 1500 und 1505) von Tilmann Riemenschneider, das er für eine Heilig-Blut-Reliquie verfertigt
hatte und das jetzt den Heilig-Blut-Altar dominiert; Jesu Einzug in Jerusalem, das Abendmahl Jesu und Jesus am Ölberg finden eine faszinierende Darstellung. Ein weiteres Meisterstück von Tilman Riemenschneider lockte uns in die Herrgottskirche nach Creglingen, wo sein womöglich bestes Werk zu bewundern ist: der Marienaltar (zwischen 1490 und 1510 entstanden) mit Szenen aus dem Leben Mariens und ihrer Krönung. Hier begegnet uns auch im Chorraum zum ersten Mal der hl. Christophorus in übergroßer Wandmalerei (Beginn des 16. Jahrhunderts) - ein Motiv, das man nicht nur in Franken, aber hier sehr häufig, findet. Am nächsten Tag stand Bamberg auf dem Programm. Seine zauberhafte, gut erhaltene Altstadt gehört seit 1993 zum UNESCO- Weltkulturerbe und besticht durch malerische Ecken, grüne Parkanlagen, Rosengärten und Flusspromenaden von Main und Regnitz. Nach einem ersten Rundgang erstiegen wir den Kaulberg inmitten der Stadt und besichtigten die Pfarrkirche "Zu unserer Lieben Frau", die die einzige rein gotische Kirche Bambergs ist. Auch sie beherbergt eine wertvolle Kostbarkeit im rechten Seitenschiff: "Die Himmelfahrt Mariens", ein Gemälde des berühmten italienischen Malers Jacopo Tintoretto, der damit ein Vorbild für die fränkische Barockmalerei schuf. Das eigentliche Zentrum in Bamberg jedoch ist der Dom, der aus der Übergangszeit der Romanik zur Gotik stammt, 1004 von Heinrich II. gegründet wurde, 1012 eingeweiht, nach einem Brand im 12./13. Jahrhundert neu erbaut und 1237 wiederum geweiht wurde. Für Bamberg ist Heinrich II und seine Gattin Kunigunde von herausragender Bedeutung; Heinrich II gründete 1007 das Bistum Bamberg, bevor er sieben Jahre später in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Das Kaiserpaar ist im Dom zu Bamberg zur letzten Ruhe gebettet. Das Grab befindet sich, ebenso wie der "Bamberger Reiter", im zentralen Mittelschiff. Eine Vielzahl an kleinen Kapellen und Altären in den Seitenschiffen bergen zahlreiche Kostbarkeiten aus den Ateliers von so namhaften Künstlern wie Veit Stoß und Tilman Riemenschneider, auch die Pforten und Portale an den Eingängen fesseln die Betrachter. Archimandrit Thiermeyer unterfütterte bei seiner Führung die Zeugnisse längst vergangener Zeiten mit interessanten Details, Erklärungen und Erzählungen, so beispielsweise mit einem Exkurs über die Lebensumstände Mariens. Nach dem Mittagessen im "Schlenkerla", wo die Bamberger Spezialität, das "Rauchbier", versucht werden wollte, fuhren wir in das nahe gelegene Memmelsdorf, zur Sommerresidenz und Jagdschloss "Schloss Seehof" des Bamberger Fürstbischofs Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg: Ein prachtvoller Rokokogarten mit Orangerie, monumentalen Wasserspielen und Kaskaden ziehen unweigerlich die Blicke an. - Nach all diesen reichhaltigen Eindrücken kehrten wir nach Schwarzenberg zurück, um mit der Vesper in der Wallfahrtskirche unseren 2. Tag der Exkursion zu beschließen.
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"Tag der Wallfahrtskirchen und des Frankenweines" - so hatte Franz unseren dritten Exkursionstag übertitelt. Die Abtei Münsterschwarzach - 1200 Jahre leben und arbeiten hier die Benediktiner - war unser erstes Ziel. Im Gegensatz zu den barocken, prachtvoll geschmückten Kirchen wirkt die gesamte Abtei mit ihren charakteristischen vier Türmen schlicht, mächtig, majestätisch. Sie erhielt ihr jetziges Aussehen bei ihrer Wiederbesiedelung im Jahr 1913. Drei Gotteshäuser sind der heutigen Klosterkirche vorangegangen, die zwischen 1935 und 1938 unter dem Architekten Albert Boßlet entstanden ist. Auch im Inneren herrschen einfache und klare Formen vor. Jeweils sechs Seitenaltäre mit bedeutenden Heiligen ziehen sich bis zum Altarraum. Die Krypta bietet eine Überraschung: Ihre fünf Rundbogenfenster, deren Glas in verschiedenen Blautönen schimmern, tauchen sie in betörendes Licht. - Der hervorragend sortierte Klosterladen brachte uns in den Alltag zurück, jeder deckte sich mit einer Auswahl der guten Klosterprodukte ein, bevor wir uns auf den Weg zur Wallfahrtskirche "Maria im Sand" in Dettelbach machten. Ausgangspunkt für die Wallfahrten war ein wundertätiger Bildstock im östlichen Teil von Dettelbach. 1616 rief der Fürstbischof mehrere Franziskanerpatres an den Ort des Geschehens, die neben der Kirche ein Kloster erbauten und fortan für die Pilger zuständig waren. Leider musste das Kloster 2017 aus Personalmangel schließen. Im Zentrum der Kirche steht der Gnadenaltar mit dem wundertätigen Muttergottesbild, kunsthistorisch bedeutsam ist die aus Alabaster geschaffene Wurzel-Jesse- Kanzel von 1726 und wiederum Arbeiten von Tilman Riemenschneider oder seiner Werkstatt, wie das schöne Chorkruzifix. Unsere nächste Wallfahrtskirche, "Maria Weingarten", lag inmitten der mainfränkischen Weinberge auf dem Volkacher Kirchberg, den wir mit einer kleinen Wanderung erstiegen. Drei wesentliche Kunstwerke prägen den schlichten Saalbau: das Gnadenbild - eine Pietá (entstanden um 1370), eine Anna selbdritt-Gruppe (entstanden um 1500) und die Riemenschneider-Madonna (entstanden zwischen 1521 und 1524), die auch als "Rosenkranz- Madonna" bekannt ist und Riemenschneiders letztes Meisterwerk darstellt. Nach einer kleinen Mittagspause in Form eines Picknicks im Schatten dieses wunderschönen Kirchleins machten wir uns zu unserem nächsten Ziel auf den Weg: "Schwanberg" in der Gemeinde Rödelsee, die Kirche St. Michael der evangelisch-lutherischen Communität Casteller Ring und des Geistlichen Zentrums. Sie wurde 1986/87 nach Plänen von Alexander von Branca gebaut und ist inspiriert von den alttestamentlichen Beschreibungen des Tempels und von der Schilderung des Neuen Jerusalem aus der Johannes-Offenbarung. Nach unseren vielfältigen Eindrücken der vergangenen Tage wirkte der ganze Komplex eindrucksvoll monumental, aber in der Ausstattung auf das Mindeste reduziert, karg und unnahbar. - Da war es wohltuend, wieder an einen Ort zu kommen, wo das normale Leben pulsierte. Iphofen, seit 730 Jahren Stadt mit ca. 5000 Einwohnern, geprägt durch Wein, Gips und Holz, wie uns der Fremdenführer erklärte, hat noch seine Stadtmauern und vier Stadttore, die Kirche St. Veit mit zwei "Riemenschneidern", ein Beinhaus und die Wallfahrtskirche "Heilig Blut". Nach einem ausgedehnten Stadtrundgang mit Besichtigung der Kirchen war es später Nachmittag geworden. Bei "Feder Weißem" und Abendessen in der Vinothek am Kirchplatz schöpften wir neue Kräfte, bevor wir noch einen Abstecher nach Mönchsondheim ins Freilandmuseum machten, wo wir das Phänomen einer "Kirchenburg" kennenlernten. Es zeigt das Leben und Arbeiten "anno dazumal" in einem mainfränkischen Dorf mit Kirche, Gemeinde-, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Auch der letzte Tag unserer Exkursion, der Abreisetag, hatte Bemerkenswertes zu bieten: Münchsteinach, ehemaliges Benediktiner-Kloster, wurde um 1133 gegründet und umfasste 1525 ein gewaltiges Areal mit romanischer Klosterkirche, Bibliothek, Klosterräumlichkeiten, Kreuzgang, aber auch ein Armenhäuschen, Krankenhaus, Gästehaus, landwirtschaftliche und handwerkliche Gebäude und als Besonderheit ein separat stehendes Abtschlösschen - alles Gebäude, die großenteils noch heute sichtbar sind. Mit den Bauernkriegen 1525 begann das Ende des Klosters, zumal die lutherische Lehre in den Landen eingeführt und die Klöster in markgräflichen Besitz genommen wurden. Mit unserem Besuch in Heroldsbach, einer Marianischen Gebetsstätte, schlossen wir unsere Frankenfahrt ab. Eine derartige Fülle an Kostbarkeiten und Sehenswürdigkeiten in Franken, auch an zum Teil abseits gelegenen, nicht immer leicht zugänglichen Orten und Pfaden hatten wir nicht erwartet. Eine phantastische, überaus eindrucksvolle Fahrt, die wieder einmal unterstreicht, wie wenig man doch die eigenen, deutschen Lande kennt! Dr. Larissa Kowal-Wolk/Andreas Gressierer