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© Oriens-Occidens e.V. 2026 | 21.04.2026 Impressum

Auslandsseminar 2024

Ohridreise
Prolog Nach der letzten Exkursion ins schwäbische Barock, perfekt geplant und souverän geleitet vom Dreigestirn Maria, Joachim und Andreas, nun eine der nicht minder abenteuerlichen Ausfahrten bzw. Flüge in die Nähe des Urchristentums, dieses Mal in die Ferne des illyrischen und alt-kirchlich- orthodoxen Raums. Unter der Führung der Webers (hier wohl ein Zwei- Gestirn oder gar Drei-Gestirn?) war auch dies beruhigt anzugehen. Begleitet und spirituell angeleitet wie immer vom standhaften Archimandriten Andreas-Abraham und der Chorleiterin Debora. Bewährungsprobe Allgegenwärtig ist er, der heilige Georg, sei es als Patron von Kirchen oder als Ikone in nahezu jedem Kirchenraum und Kloster. Und davon gibt es viele in und um Ohrid, allein hier angeblich 365, also das Jahr begleitend und erfüllend. Dass dessen Kampfgeist gegen Drachen jeglicher Art auch in Edeltraud Weber steckt, konnte man zwar ahnen, doch nun durfte er sich ganz entfalten. Alle Widrigkeiten die plötzliche Streichung des bereits gebuchten Flugs, die Organisation aller Hotels, eines kompletten Schiffes und und und all dies erledigte sie als Georgina mit einer Lanze aus der lässigen Hüfte heraus. So scheint es zumindest von außen. Denn keiner der Mitreisenden der spektakulären Truppe des Oriens-Occidens bemerkte irgendeine Anstrengung in der Art fauchender Drachen. Es lief wie am Schnürchen. Und das in einem Land, das sich wirklich im Schnittpunkt vieler Begehrlichkeiten politischer wie historischer und religiöser Art befindet, wobei man das eine kaum vom anderen trennen kann. Status Quo Nordmakedonien ist jung und alte Reiche schauen direkt auf den begnadeten Landstrich mit Bergen über 2700 Metern, einem der tiefsten und ältesten Seen Europas und wunderbaren uralten und lebendigen Kirchen. Dass der geistliche Führer, Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer sich hier einen Jugendtraum erfüllte, war mit seinen geistlichen und geistigen Ausführungen an jedem Ort und in jeder Kirche zu spüren und zu erleben. Welch ein Reichtum an Gedanken und Eindrücken. Einflüsse der albanisch-muslimischen Kultur prägen Teile der Stadt Ohrid ebenso wie vor allem die Kirchen aus byzantinisch-bulgarischer Herkunft. Dass auch Belgrad aus der Zeit der Abhängigkeit von dieser Metropolie Ansprüche stellt, ist eine spürbare Tatsache wie auch die Rivalität zu Griechenland mit der Provinz gleichen Namens. Aus den Urzeiten, bis in die römische und dann byzantinische Zeit hinein, leitet sich der eigene Anspruch auf Selbständigkeit/Autokephalie ab. Die mazedonische Orthodoxie beruft sich auf die mittelalterliche Tradition des im 18. Jahrhundert untergegangenen Erzbistums Ohrid. Im Jahr 1967, genau 200 Jahre nach der Auflösung des Erzbistums, erklärte sich die Kirche gegen den Willen des serbischen Patriarchats für autokephal. Jüngst wurde die Autokephalie von Konstantinopel – 2022 - auch bestätigt. Die Gottesdienste werden nach Byzantinischem Ritus in kirchenslawischer oder in der mazedonischen Sprache gefeiert. Die kirchlichen Feste richten sich nach dem Julianischen Kalender. Bei der Heiligenverehrung stehen neben der Gottesmutter vor allem die aus Thessaloniki stammenden Slawenapostel Kyrill und Method sowie deren Schüler Kliment und Naum im Mittelpunkt. Letztere stehen auch am Beginn der monastischen Tradition auf dem Gebiet des heutigen Nordmazedoniens. Als übergroße Figuren begrüßen sie im Hafen von Ohrid die Einreisenden. Aufbruch Aufgrund der Verschiebung der Reisezeit (statt August nun Ostern) und des Flugplatzes (statt Memmingen Wien) ergaben sich neue
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abenteuerliche Anreisebedingungen [private Fahrt nach Arbing, Bus nach Wien, Flug nach Ohrid-Flugplatz, Klein-Bus zum Hotel], die geschickt durch massive Fürsorge [Lasagne, Salat und Ostereier im Erndl-Küchenstudio] abgefedert wurden. Eine der Sache angemessene Vorableistung aller, um auch das bevorstehende Wunderbare als verdient annehmen zu können. Man fuhr vor Mitternacht los, von Arbing über Passau direkt nach Wien/Flughafen. Müde und zugleich gespannt stand das Häuflein der aufrichtig Reisenden, wobei sich noch versprengte Grüppchen hinzugesellten, pünktlich, also einige Stunden nach Mitternacht in Schwechat, um nach einem wunderbaren Flug in den Sonnenaufgang direkt über dem See schwebend das Ziel anzuzielen. Der Flughafen mit dem sprechenden Namen Sankt Apostel Paulus war das symbolträchtige Tor zum Eintritt in eine andere Welt. Die Welt der Antike, die Welt des Urchristentums und die Welt des byzantinisch- orthodoxen Kosmos. Mit einem Kleinbus fuhr die tapfere Truppe direkt an den Strand des Sees, nämlich auf die Terrasse des Hotels Kadmo, um hier das erste üppige mazedonische Frühstück mit einem Erweckungskaffee zu genießen. Die strahlende Sonne, das wunderbare Frühstück und die herrliche Terrasse waren dann Anlauf und Zielpunkt all der Frühstücke und der Abendessen, die hier zu über-voller Zufriedenheit eingenommen werden konnten. Ein wunderbarer Ort! Exkurs mit Blick auf den See und einem Über-Blick auf die Geschichte Der griechische Ortsname Lychnidós (Λυχνιδός) taucht früh auf. Als Alexander der Große nach seinem Vater Teile Illyriens und Thrakiens eroberte, entwickelte sich die Siedlung zu einer Stadt der Epoche des Hellenismus mit eigenem Theater. Sie wurde später Teil der Römischen Republik, die Heerstraße Via Egnatia verband Rom über Ohrid mit Saloniki, später Konstantinopel. Lychnidos wurde in der späten Antike unter den Byzantinern Bischofssitz. Mit der Landnahme der Slawen auf dem Balkan (7./8. Jh) breiteten sich diese auch in der Region des Ohridsees aus. Die Stadt wurde als Bischofsresidenz im Vierten Konzil von Konstantinopel (879/880) erstmals mit dem Namen Ohrid erwähnt. Als Bischofsstadt war Ohrid im Mittelalter ein bedeutendes geistiges Zentrum des Bulgarischen Reiches und des orthodoxen Christentums. Die Gelehrten Kliment und Naum wirkten dort. In dieser Zeit entstanden die Sophienkirche, das St.-Kliment- Kloster (oder auch St.-Pantaleon-Kloster) und das Kloster Sveti Naum. Die Osmanen kamen in den Jahren um 1400 in den Besitz von Ohrid. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt ein Zentrum des Islams, in der Moscheen und Medressen erbaut wurden. Die Stadt blieb daneben bis Mitte des 15. Jahrhunderts weiterhin Zentrum der christlichen Kunst bzw. der Schule von Ohrid mit ihrer Fresken- und Ikonenmalkunst. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Altstadt von Ohrid zum nationalen Kulturdenkmal Jugoslawiens erklärt. Darauffolgend wurden viele der mittelalterlichen Kirchen und umliegenden Klöster sowie deren Wandmalereien restauriert. Der See und die Stadt wurden 1979 bzw. 1980 von der UNESCO zum Welterbe erklärt. 1. Tag: Ohrid - Habt acht! Der erste Eindruck vor dem gemeinsamen Start am Vormittag bestätigt die Stadt als einen Schnittpunkt vieler Interessen. Ein lebendiger Ort zwischen Tourismus, Strand, Badevergnügen, Schifffahrt ebenso wie die Einteilung der Stadt in eine Altstadt mit unzähligen wunderbaren Kirchen und Kapellen und ein Viertel mit alten und neugebauten Moscheen. Hier zog über Jahrhunderte die Geschichte ältesten und ebenso neuesten Datums hindurch. Zerstörungen, Wiederaufbau und in jüngster Zeit geradezu ein Wettbewerb im Restaurieren von alten Kirchen und ebenso dem Neubau von Moscheen zeigen, je nach Perspektive, das friedliche Nebeneinander oder - hoffentlich nicht - eine ideologische Hochrüstung diverser politischer Ansprüche. Um die Mittagszeit begann der erste gemeinsame Vorstoß in eine der Hauptkirchen der Stadt, welche in vier Minuten zu Fuß erreicht wurde. Groß in ihrer scheinbaren Schlichtheit steht die Sophienkirche im Zentrum. Und genau das, was Dr. Thiermeyer vor dem Eintritt in die Kirche ausführte, konnte man spüren. Diese Hagia Sophia, der Muttergottes geweiht, ist das Symbol für die Kirche, die gesamte Christenheit, indem über jeden einzelnen gesagt und hier gezeigt wird, dass er direkten Zugang hat zu dem über ihr Abgebildeten, nämlich ihren erhobenen Sohn, der die Erlösung anbietet und in seiner Person darstellt. Genau diese Bild-Botschaft empfängt jeden Eintretenden und macht ihn staunend stumm. Die Sophienkirche (Sveta Sofija) aus dem 11. Jahrhundert ist ein byzantinischer Kirchenbau. Die dreischiffige Pfeilerbasilika wurde zwischen 1037 und 1056 auf den Fundamenten einer frühchristlichen Kirche erbaut. 1313/14 wurde der Bau um einen zweigeschossigen Exo-narthex (Vorhalle) mit zwei Kuppeln und Galerien im Obergeschoss erweitert. Nach der Eroberung der Region um Ohrid durch das Osmanische Reich wurde die Kirche in eine Moschee umgewandelt, der Glockenturm, die Zentralkuppel und die Innengalerien wurden abgetragen. Nach dem Russisch-Osmanischen Krieg von 1877/78 konnte ihre ursprüngliche Funktion als christliche Kirche zurückgegeben werden. Verkündigung: In der Kirche sind wieder die zahlreichen Fresken zu sehen, mit denen ihre Wände im 11. Jahrhundert ausgemalt worden waren. Sie zeugen von dem Zusammentreffen lokaler Kunst mit der aus Konstantinopel kommenden, heute Weltkulturerbe. Auffällig ist, dass sie mit blauem und nicht mit goldenem Hintergrund gemalt wurden. Hier erblüht die Freskenkunst der Romanik. Sie sind zugleich Ausdeutungen der Texte des hl. Johannes Damaskenos, der im Bilderstreit gegen die Kaiser Leo und Konstantin für die Bilderverehrung eingetreten war. Ein Glück im Unglück: Alle Fresken in der Sophienkirche waren in der Zeit der Herrschaft des Osmanischen Reiches und der Nutzung der Kirche in dieser Zeit als Moschee übermalt worden. Zwischen 1950 und 1957 wurden die Fresken wiederentdeckt. Überwältigung nach dem Eintritt in eine unglaubliche Schönheit: Im Gewölbe des Altarraums findet sich die monumentale Himmelfahrt Christi: Christus wird von vier Engeln gen Himmel getragen, während die Apostel und Maria auf der Erde zurückbleiben; darunter ein mit betenden Engeln geschmückter Fries. In der Apsis sind frontal die Thronende Muttergottes mit Kind dargestellt, ebenso die Darstellungen des Opfer Abrahams, der Vierzig Märtyrer von Sebaste und die Porträts der Slawenapostel Kyrill und Method im Narthex. Ausgang im Trost: Mariä Entschlafung als Bild für die Erlösung eines jeden im Tod, als Aufnahme in die Hände des Sohnes. Umfassung: Im Westen lagern Narthex und Exonarthex vor, um hier den Aufzunehmenden (Katechumenen) und Wiederaufzunehmenden (Sünder) einen Platz zu lassen. Auch liegt hier der Aufgang der Frauen in die Galerie. Benommen oder besser berührt von diesem Eindruck spazierten bzw. pilgerten die Schutzbefohlenen des Archimandriten im Sonnenschein entlang des hölzernen Steges direkt zum Wahrzeichen Ohrids am See, der fotogenen Kirche des hl. Johannes von Kaneo. Ein Anstieg am See ließ diesen Pilgergang zum Erlebnis werden. Eine Idylle! Die Kirche des heiligen Johannes von Kaneo Die Kirche des Heiligen Johannes von Kaneo (Sveti Jovan Kaneo) aus dem 13. Jahrhundert steht am Seeufer auf einem Vorsprung. Nach osmanischer Zerstörung wurde die Kirche im 17. Jahrhundert aufgegeben, aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Bulgaren wieder restauriert. Der Patron Johannes von Patmos ist mit der Jungfrau Maria und mit anderen Heiligen in der Apsis dargestellt. Anwesend ist auch der Heilige Clemens von Ohrid. Hier stimmte unter der Leitung von Debora und Abraham der Chor der aufrechten Pilger den Osterhymnus an, der von nun ab in jeder besuchten Kirche erklingen durfte und seine Qualität im Laufe der Zeit zu steigern wusste. Der Anstrengung der Steigung folgte die Anstrengung der Umquerungs-Wanderung zum hoch gelegenen und neu errichteten Klosterbau der Klimentskirche. Diese Kirche Sveti Kliment aus dem 13. Jahrhundert war der Gottesmutter Peribleptos (Περιβλὲπτος = hochangesehen) geweiht. Erst als später die Reliquien des Heiligen Kliments überführt worden waren, erhielt die Kirche, die wegen der Umwandlung der Sophienkirche in eine Moschee jetzt erzbischöfliche Hauptkirche war, den Namen Sveti Kliment. Der byzantinische Ziegelsteinbau auf dem Grundriss des „eingeschriebenen Kreuzes“ ist mit einer oktogonalen Kuppel und einer gestuften Altarapsis versehen. Sie ist wohl das Symbol für die wechselhafte Geschichte des Ortes selbst, denn: 1453 ließ der osmanische Sultan Mehmed I. den Erzbischof mit dem Klerus deportieren und das Kloster mit den Kirchen zerstören. An seine Stelle wurde die Sultan-Mehmed-Moschee errichtet. Auf dem Areal des ehemaligen Klosters fanden 1943, 1965 und 2007 archäologische Ausgrabungen statt. Als Projekt des mazedonischen Staates wurde die ehemalige Grabeskirche nach dem Vorbild anderer Bauten ab 2000 neu errichtet. Diese trägt den Namen St. Kliment und Pantaleon. Und so empfängt das Innere der Kirche jeden mit dem Programm eines orthodoxen Kirchenbaus, in neuen Farben erstrahlend. Begleitet von einem Hahnenkampfgeschrei (oder -gesang?) im neben dem „Kloster-Café“ liegenden Garten genossen die Pilger eine wohlverdiente Pause. Die Sonne verwöhnte sie. Auf dem Abstieg passierten sie einige verschlossene Kirchen, wie die der Hl. Bogorodica Perivlepta oder die Basilika des Hl. Kliment/Gottesmutter Perivlepta oder das offenliegende griechische Theater. Das Ufer des Sees erwartete die müden Beine, um hier zur Ruhe vor dem Abendessen zu kommen. Ein wunderbarer Abschluss mit dem Ziel, diese Nacht wirklich zum Schlaf zu nutzen. 2. Tag: Erkundungen Nach dem großen Anreisetag mit der anschließenden Pilgerwanderung stand eine Exkursion in die Schluchten des Balkan bevor. Nach dem Frühstück stiegen alle mutig in den Kleinbus, der die Tiefen und Höhen des Gebirges erkunden sollte. Erstes Ziel war das Kloster Kalishta hinter dem Nachbarort Struga, am Ohrid-See und wenige Kilometer vor Albanien gelegen. Die Kirche wie auch die Klosteranlage macht den Eindruck einer frisch renovierten, wenn nicht sogar neu gebauten Anlage. Ein weiteres Postkartenmotiv am See, mit Kiesstrand, wunderbar ausgemaltem Kirchen-Innenraum - ein Gelände, auf dem bereits in aller Frühe sich Pilger tummelten. Den überwältigenden Eindruck erweckte dann die innerhalb des Areals liegende Felsenkirche. Auf einer Stiege erklomm man die Mönchszellen, die wahrlich nur Zellen sind, um dann in eine Kirchenraum zu gelangen, der für eine sehr kleine Zahl von Betern Platz lässt, jedoch einen unendlichen Raum für die Seele. Hier bekommt das Wort Staunen mit offenem Mund zu seinem Recht. Alles ist so eingerichtet und mit den schönsten Farben ausgemalt, dass jede Ecke, jeder Stein seine Bedeutung hat und man hier Gottesdienst feiern kann, ohne etwas missen zu müssen. Allein das Programm der Fresken der Apsis von links nach rechts gelesen ist eine Zusammenfassung der Weltgeschichte: Palmsonntag mit der Versuchung eines Messias, der den Gesetzen der weltlichen Macht folgen soll, über Gründonnerstag, dem Bild einer dienenden Kirche, zum Karfreitag als dem Abstieg in die Welt des Todes und die Unterwelt, bis zur Erhöhung der Aufnahme in das Reich Gottes, die Auferweckung als dem Trost aller gläubigen Menschen. Die Wände mit allen Festen der Kirche und mit allen Aposteln sowie die Decke mit dem auferstandenen Erlöser. Und jeder, der hier Eintritt hat, steht mitten im Heils-Geschehen. Nach diesem Besuch fuhr der Bus durch die Schluchten und neben dem Fluss Crn Drim zum Frauenkloster St. Georgij Pobedonosec. Die Fahrt ist ein Traum Wasser, Berge und malerische Dörfer. Vorbei leider vorbei fuhr der Bus am Eingang zu einer kuriosen Enklave. Vevcani ist eine Kleinst-Region mit eigener Staatsbürgerschaft. Der von vielen Quellen durchflossene und wasserreiche Ort hat etwa 3000 Bewohner, die aber zu allen Zeiten dem Staat, der ihn umgab, Widerstand leistete. Und so kann man heute hier gegen eine Gebühr von 100 Denare einen Pass erwerben, der einem zum Bürger dieses Landes macht. Diese Chance wurde jedoch vertan, da der möglichst schnelle Besuch des Frauenklosters wichtiger war. Verständlich, aber doch auch irgendwo bedauerlich. Rajcica (Frauenkloster St. Georgij Pobedonosec Im Dorf Rajchica (raj = Paradies), in der Nähe der Stadt Debar, liegt das Kloster des Heiligen Georg des Siegreichen, eines der schönsten makedonischen Klöster. Eine Lage mit Blick auf den Debar-See, der wunderschöne Innenhof und eine Kirche, die reich an Ikonen und Reliquien ist! Wenn man den Klosterhof betritt, betritt man tatsächlich das Paradies. In der Kirche werden ein Stück des Kreuzes Jesu und ein kleiner Teil der Hand des Heiligen Georg des Siegreichen aufbewahrt. Berühmt ist die Ikone des Heiligen Georgi, eine Replik des Originals vom Athos. Die Legende erzählt: Eines Nachts kam die Ikone auf mysteriöse Weise ins Kloster. Ein Bischof im Kloster glaubte nicht, dass die Ikone wundertätig sei. Um sich zu überzeugen, kam er und begann, die Ikone mit seinen Fingern auf Farbe hin abzukratzen. Als er die Nase des Heiligen Georg berührte, blieb sein Finger kleben. Der heilige Georgi offenbarte sich dem Bischof mit den Worten: Weil du nicht geglaubt hast, wird es für immer ein Zeichen deines Unglaubens auf dieser Ikone bleiben. Der Finger des Bischofs sollte abgeschnitten werden und das Stück seines Fingers sollte auf der Nase der Ikone bleiben... Bis 1945 lebte im Kloster eine Mönchsbruderschaft. Dann verboten die kommunistischen Behörden die Aktivitäten und das Kloster wurde in Ställe umgewandelt. Im Jahr 1999 war das Kloster fast ruiniert, aber dank der Initiative des Abtes des Klosters St. Jovan Bigorski, Archimandrit Parthenius, wurde das Kloster erneuert. Heute arbeitet und betet in diesem Kloster eine weibliche Mönchsschwesternschaft, die eine Schwesterbeziehung mit dem Kloster "Geburt der Jungfrau Maria" aus Boston USA hat. Die Nonnenschwesternschaft ist auch berühmt für handgefertigte "Mitren" (Mitra, Krone, Teil der liturgischen Gewänder der orthodoxen Bischöfe). Diese Mitra tragen alle mazedonischen Bischöfe, aber auch Bischöfe in Bulgarien, Serbien, Griechenland, Rumänien und das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel. Ebenso atemberaubend wie die Fresken an der Außenseite der Kirche ist die Gastfreundschaft. „Singen wir, dann kriegen wir was.“ So sprach Debora und so geschah es nahezu überall. Denn die Türen der Gastfreundschaft öffneten sich den Irdischen, die dem Gesang der Engel sich zu nähern versuchten. Wie im Gleichnis vom anvertrauten Geld, so erfüllten alle ihre Aufgabe und versteckten nicht einfach ihr Talent, sei es noch so gering. Und so wurden im Vorhof des Klosters den Pilgern Kaffee und Kuchen und Getränke gereicht und… Wohl gestärkt empfing die Truppe nach einer weiteren Fahrt Richtung Norden das Kloster Sveti Jovan Bigorsk. 1020 gegründet liegt es inmitten eines Nationalparks umrahmt von Bergen mit Schnee. Mit der Eroberung der Region durch die Osmanen wurde das Kloster zum großen Teil zerstört. Erst 1743 begann der Wiederaufbau. Zur alten Blüte fand das Kloster, als 1995 der Hegumene Partenij das Kloster übernimmt und das Klosterleben erneuert. Nach einem Brand wurden die Anlagen 2010 wiederaufgebaut. Die wunderbar und neu bemalte Kirche lädt zum Lesen ein, zum Lesen der über 500 Menschen und 200 Tiere, welche Szenen aus dem Alten Testament illustrieren, Schnitzereien bekannter Künstler. Bekannt machen das Kloster auch die vielen Reliquien, darunter von Johannes der Täufer, Kliment von Ohrid, Lazarus von Bethanien, Stephanus, Nikolaus von Myra, Barbara von Nikomedien, sowie ein Teil des heiligen Kreuzes. Das Kloster ist groß, zumal der Andrang der Gläubigen zu Erweiterungsbauten Anlass gab, sodass auch vor dem Kloster nun Gästehäuser zu bewohnen sind. Und wieder öffnete der Gesang Türen, diesmal die Türen zur Wohnung des Abtes des Klosters. Schon im Vorfeld traf die Gruppe auf Mönche, wobei einer in früheren Zeiten bereits im Allgäu zu Hause war, sodass er auch als Dolmetscher dienen konnte. Mit dem Ostergesang im Innenhof des Klosters, welches den Abt sichtlich erfreute, wurden die unterschiedlichen Ostertermine offensichtlich. Und von der Osterfreude getragen, bewirteten die Mönche eine Taufgruppe, den Abt sowie die Reisegruppe mit Kaffee und Gebäck. Die Unterhaltung zwischen dem Archimandrit und dem Abt tangierte religiöse, politische wie kirchliche Themen, der Austausch war sehr lebendig. Mit dem Schwung dieses Erlebnisses sang die Pilgergruppe nochmals in der Kirche, traf vor der Kirche eine weitere singende Gruppe, die aus dem Libanon kam, um dann, geführt von den Bibliothekaren der Abtei in die Bibliothek geführt zu werden. Hier konnte man die Gästezellen ebenso wie die neu eingerichtete Bibliothek bewundern. In der Folge wurde dann das sehr verspätete Mittagessen im klostereigenen Restaurant „Mijacite“ eingenommen, das aber ob der zuvor stattgefundenen Bewirtung im Frauenkloster und ebenso im Männerkloster nicht sehr üppig ausfiel. Die Gesellschaft war satt, physisch, aber vor allem geistig und spirituell beschenkt. So brach man nach kurzer Zeit auf, um die Rückfahrt anzutreten und dann zu gewohnter Zeit wieder am Strand des Ohridsees beim Abendessen den Tag ausklingen zu lassen. 3. Tag in Ohrid „Maria, weiter als der Himmel.“ Das konnte das Motto des Tages sein, denn der Aufstieg zur nun offenen Kirche St. Kliment, ursprünglich und jetzt wieder Maria gewidmet Sv. Bogorodica Perivlepta fand nun eine Herrlichkeit, die ganz die Herrlichkeit des Geschehens um Maria offenbart. Es ergab sich nochmals eine Steigerung. Schon der Narthex ist mit den Fresken der sog. Renaissance der Paläologen ausgemalt, die einen plastischeren und räumlichen Stil einführten, im Gegensatz zur rein byzantinischen Gestaltungsweise. Im Eingang empfängt bereits das Paradies mit Abraham, Isaak, Jakob und dem Schächer am Kreuz. Ebenso und freudig begrüßt wurden die biblischen Gestalten von der eintretenden Gruppe, und zwar mit einem Hymnos Akathistos, vorbereitet und mit Liedblättern unterstützt von Debora. Die charakteristischen Farben, vor allem Blau und auch Rot, findet man überall als sinntragende Zeichen. Maria gilt die Aufmerksamkeit: Maria im Dornbusch, das Leben Marias von Geburt an, die Darbringung im Tempel, die Verkündigung des Messias am Brunnen, die Geburt des Sohnes, die Leidensgeschichte, die Ankündigung des eigenen Todes und zentral die Aufnahme in den Himmel, wobei hier die Seele geradezu getragen und gezogen wird von der Schar der Engel, welche den Sohn umringen. Der Tod Mariä geschieht in der Tradition auf dem Zion-Berg, umringt von den Aposteln, nachdem sie wohl von Ephesos zurück nach Jerusalem gereist war, zum sog. Konzil der Apostel. Als Symbol für Maria und damit der Kirche, erklärt Archimandrit Andreas-Abraham, gilt die schöne Pforte, durch die das Evangelium hinaustritt in die Welt und wieder zurückkehrt bzw. hineingetragen wird. Im Altarraum versammeln sich alle, die eine Liturgie geschrieben haben, Jakobus, Gregor, Basilius und Johannes Chrysostomos. Christus selbst erscheint als Zeichen der von ihm abgewaschenen Sünde ohne Bart. Im Anschluss daran führt der freundliche Wärter der Kirche noch in die unweit am Hang zum See gelegene Kirche Sveti Konstantin i Elena. Noch einmal eine Gelegenheit, ähnliche Malereien in dem einschiffigen Bau mit Querschiff und südlich angebauter Nebenkirche zu bewundern. Das Ikonenmuseum, das aus einem Raum besteht, lohnt sich in jedem Fall, als hier aus unterschiedlichen Epochen die wertvollsten Ikonen und die anschaulichsten Beispiele für die unterschiedlichen Stile zu betrachten sind, vom Erzengel Michael bis zu Nikolaus oder Basilius dem Großen und Johannes dem Täufer als Engel (Bote des Herrn). Auf dem weiten Abstieg über die Rückseite des Hügels steht die Kirche Bogorodica Kamenska, heute Sitz des Bischofs. Auch sie thront über der Stadt, unweit der Ali Pascha Moschee, von der die Muezzin-Rufe des Mittags ertönen. In der Kirche finden sich alle Motive wieder, hier in neu gemaltem Gewand. Pfingsten wird dargestellt als im Kreis sitzende Apostel, die im Zentrum den Gott Chronos mit Schriftband ansehen, der nun überwunden ist. Auch alte und neuere Ikonen sind in einer Galerie zu betrachten der Zugang ist über eine Treppe in der Kirche erreichbar. Die mehrmals zerstörte und wieder aufgebaute Kirche ist wie viele andere Heiligtümer vergleichbar mit dem Israel des AT, das ebenso zwischen den Großreichen lag und immer wieder auferstand. Überleben zwischen Slawen, Osmanen und Tito. Der Rest des Nachmittags wird unterschiedlich genutzt, zu einer Wanderung zur Festung des Zaren Samuil mit einem herrlichen Blick über Berge, See und Stadt oder zum Einkauf oder zum Café oder zur Erholung der müden Beine. 4. Der Tag der Über-Fülle Motto des Tages: Mit der Armada auf hoher See. Alles begann und alles endete in der Kadmo Bar. Für den Leib das Frühstück vor dem großen Auszug auf die Hohe See des Ohrid zum Zweck eines Schaukelns auf den Wogen des Wohlgenusses; für Leib und Seele die alleinige Besetzung eines ganzen Schiffes namens Armada mit einem wohlgeplanten Sektempfang durch die Crew im Namen und Auftrag der Familie Weber junior; und dann für alle Sinne gemeinsam die Üppigkeit der Landschaft um einen herum. Während am nördlichen Ende dieses alten, tiefen und fischreichen Sees Sv. Klemens ein Kloster gründete, gründete am südlichen Ufer Sv. Naum ebenso eines; beide die Schüler der Heiligen Method und Kyrill. Und zu Naum zog nun das Schiff mit seiner Fracht. Vor dem eigentlichen Ziel wurde an einem Pfahldorf mit dem treffenden Namen „Bay of bones“ kurz Halt gemacht. Ein Museum auf dem Wasser - die Rekonstruktion eines prähistorischen Stelzendorfs mit 24 Hütten aus der Steinzeit. Die Siedlung wurde nachgebaut. Am Ostufer liegt diese Museumssiedlung auf 6000 Pfahlresten. Die runden Häuser dienten wohl für kultische Zwecke, die eckigen als Wohnungen. Es ist in jedem Fall das Zeugnis für die frühe Besiedlung dieser Gegend. Nach einer weiteren Fahrt auf See erschien dann die herrlich gelegene und wunderschön angelegte Klosteranlage Sveti Naum kurz vor der albanischen Grenze. Pfauen begrüßen einen mit ihrem nach Klage klingenden Rufen, wohl um die Besucher von diesem schönen Ort abzuhalten. Umsonst. Der Pförtner am Eingang der Kirche strahlte umso lustiger. Das Kloster wurde zwischen 893 und 900 von dem Gelehrten Naum erbaut, seine Grabstätte liegt ebenso hier. Nach einem Brand im Jahre 1871 wurde es teilweise neu errichtet. Die Kirche birgt noch Reste des Anfangs. Hier finden sich auch Zeichen der Auseinandersetzungen zwischen Bulgaren und Griechen. Die Fresken und Ikonen sind nur in griechischer Sprache gefasst. Ein Fresko im Eingangsbereich der Klosterkirche, Michael, bildet auch den bulgarischen Herrscher Boris I. ab. Zwischenzeitlich gehörte das Kloster zu Serbien oder zu Albanien. Das Innere der Kirche ist voller Fresken mit Szenen aus dem Leben Naums. Zwei alte Säulen beweisen das Alter der ursprünglichen Kirche. Der Eindruck erinnert an die Kirche Bogorodica Perivlepta in Ohrid. Klemens und Naum, die beiden wirkmächtigen Missionare aus Saloniki, agierten segensvoll im Auftrag der bulgarischen Herrscher und ihrer beiden Lehrmeister. Da Sv. Naum an den Quellflüssen des Sees liegt und hier auch ein Hotel sowie ein See-Restaurant locken, ist dies der bisweilen meistbesuchte Ort, den man zu Gesicht bekommen kann. Mit zwei direkt am Ufer liegenden Ruderbooten ging es weiter, zu den Quellen des Sees. Die Ruderer wiesen auf ihrer Fahrt mehrmals auf die unter dem Wasserspiegel sprudelnden Karst-Quellen hin und den Zufluss des schwarzen Drim. Am Ende stand die kleine Kirche mit dem Namen der Presveta Bogorodica, einem in der Orthodoxie verbreiteten Motiv der Wasser spendenden Muttergottes. Mitten durch die Kirche läuft eine Abzweigung eines Zuflusses zum See, so dass die Kirche als natürliche Taufkirche genutzt werden kann. Sie ist in jedem Fall Zeichen der ihren Sohn verkündigenden Muttergottes, den Lebensquell. Nach einer kurzen Landung mit Besichtigung und Gesang ruderte die Gruppe zurück, um sich entweder im Restaurant oder bei einem Strandspaziergang zu erholen. Die Rückreise der Armada war ganz dem Genuss gewidmet. Höhepunkt eines an Höhepunkten reichen Tages war dann das makedonische Abendessen, das von Vladimir und Ljuben organisiert worden war. Die Gäste wurden von zwei reizenden kleinen Mädchen in makedonischer Tracht empfangen, um nach Salz und Brot vom Festleiter in schmucker Tracht einen selbst gebrannten Empfangs-Raki zu erhalten. Das Fest hatte begonnen. Das Buffet konnte reichlicher nicht sein, die Musik bestand aus drei jungen Vollblutmusikern mit Gitarre, Geige und Akkordeon. Welch ein Abend! Welch ein Abschied! Danke an die erweiterte Familie Weber, Dank an Herrn Archimandriten Abraham, Dank an Debora, Dank an Edeltraud, das Zentrum der Webers und der Reise und die Vorsitzende von Oriens-Occidens. Liebe zuhause Gebliebene. Wir haben euch vermisst, ihr uns hoffentlich auch. Die Reise war wie so oft äußere und innere Betrachtung und Meditation, Einführung in die Welt der orthodoxen Transzendenz, Genuss von Land und Spiritualität der Menschen. Epilog